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Ein Fuchs-Furry [Lizenz] [Quelle]

"Treffen sich zwei Furries, du, und deine Kinder im Freizeitpark..."

...oder: "Werde ich langsam zum Konservativen?"

Pelzige Freunde

Es dürfte schwierig gewesen sein, in den letzten fünf Jahren das Netz aktiv zu nutzen, ohne an der einen oder anderen Stelle über Furries zu gestolpert zu sein. Ich glaube das erste Mal habe ich vor vielleicht gut sechs Jahren mitbekommen, dass es eine besondere Fangemeinde von My Little Pony gibt, die sich überwiegend aus erwachsenen Männern zusammensetzt - im Gegensatz zu den Mädchen im Grundschulalter, die der unbedarfte Beobachter vielleicht zuerst angesichts der Serienaufmachung als Zielgruppe erwarten würde.

Natürlich sind sog. "Bronies" nicht auch zwingend "Furries" [Quelle], es handelt sich um zwei verschiedene Subkulturen mit gewissen Überschneidungen, aber mir war bis zu jenem Zeitpunkt nicht der Gedanke gekommen, dass sich erwachsene Menschen besonders für antropomorphe Tierfiguren interessieren würden, deren Design auf den ersten Blick (und für viele auch den zweiten) an Kinder gerichtet scheint.

Aaaber... ich vergaß, das dies das Internet ist. Und im Internet herrscht unter anderem die Rule 34. Ich möchte Furries nicht rein auf den potenziellen Fetischaspekt ihres Hobbies reduzieren (hierzu später mehr), aber es ist ein wichtiger Gesichtspunkt, der schlichtweg nicht zu ignorieren ist.

Creepy Creatures

Nach diversen solchen Initialkontakten im Laufe der Jahre im Netz, meist in Form von beiläufigen Referenzen auf Social-Media-Plattformen, hatte ich vor ein paar Jahren die Gelegenheit, das erste Mal jemanden in einem Ganzkörper-Fursuit zu sehen. Das war auf der Leipziger Buchmesse und dort speziell in der Comic/Manga/etc-Austellungshalle. Jeder, der einmal in Leipzig oder auf einer ähnlichen Comic-Convention war, wird sich nicht mehr darüber wundern, dass große Teile der Besucher in Verkleidung erscheinen. Meist handelt es sich um Cosplay; kurz gesagt: die Verkörperung von Figuren aus Anime/Manga/Comics/etc, die einem gut genug gefallen, um sich die Mühe zu machen, ein mehr oder weniger aufwendiges Kostüm aufzutreiben oder selbst anzufertigen. Uuund natürlich es in einem geschlossenen Gebäude in einer großen Menschenmenge einen bis mehrere Tage lang zu tragen; ...es gehört schon eine gewisse Passion dazu.

Als ich jedenfalls diese Person im Fursuit vor mir stehen sah, war meine erste Reaktion eine leichte Enttäuschung, gepaart mit milder Verstörung. Das Kostüm war offensichtlich komplett von der Stange, was in der Cosplayszene nicht unbekannt, aber auch nicht wirklich verbreitet ist. Es handelte sich um einen Wolf/Hund im Cartoonstil, war einfarbig und aus dem großen, pelzigen Schädel blickten mir starre Cartoonaugen entgegen, hinter deren feinen Netz sich ihr eigentlicher Besitzer unbekannt verbarg.

Kostüme, die jeden Zentimeter ihres Trägers vollends verbergen, sind (da die meisten dargestellten Charaktere menschlich oder zumindest menschenähnlich sind) in der Cosplayszene eher die Ausnahme. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum ich anfangs auf die Figur aufmerksam wurde. Nun mag man über Cosplay im allgemeinen halten, was man will. Ich persönlich finde, dass es eine schöne Gelegenheit für Leute sein kann, sich handwerklich kreativ auszudrücken, während sie einen ihrer Lieblingscharaktere von der bedruckten Seite oder dem Bildschirm gemeinsam mit Gleichgesinnten zelebrieren können. Es ist sicher nicht für jeden etwas, aber ich kann es verstehen- auch wenn es für mich selbst nicht wirklich etwas ist.

Furries hingegen entziehen sich diesem Verständnis.

Yiff?

zwei weibliche Furries [Lizenz][Quelle]

Ich meine, gewisse Aspekte sind mir vielleicht noch verständlich. Ich denke, ich kann den Fetischaspekt ungefähr so gut verstehen, wie ich meine, BDSM und die Verkleidungen in jener Szene zu verstehen. Der Mensch ist ein kreatives Wesen und dies gilt natürlich auch, oder vielleicht sogar besonders, für seine Sexualität. Des einen Lust ist des nächsten Perversion, aber im Grunde bin ich der Meinung, solange keine deutschen Gesetze gebrochen werden und Freiwilligkeit herrscht, ist im Bett (oder wo auch immer) erst einmal alles Fair Game.

Diesen Aspekt der Bewegung finde ich daher okay, solange er privat ausgeübt oder auf entsprechende Szeneveranstaltungen beschränkt bleibt.

Hier komme ich nämlich auf meinen eigentlichen Anstoß diesen Beitrag zu schreiben zurück:

Wie reagieren, wenn du mit Kindern im Freizeitpark unterwegs bist und dir kommt ein Furry entgegen?

OwO

Die Kinder gehen natürlich erstmal steil. "Oh, guck' mal!" - "Wow, wie cool!" "Darf ich 'nen Selfie machen?"

...aber du selbst weißt halt, dass die Szene nicht nur aus buntem Fell und Cartoon-Kulleraugen besteht. Jedem, der vielleicht nicht so ganz ahnt, worauf ich hier anspiele, lege ich einmal diesen sehr unterhaltsamen Videorückblick auf das Scheitern der Rainfurrest"-Convention nahe. Hat man noch nicht gehört, sowas.

Ich denke, ich fange langsam an zu verstehen, wie sich die angestiegene Sexualisierung junger Frauen seit den 90ern für die Elterngenerationen damals und seitdem angefühlt haben dürfte.

Gut- es gibt ein paar kleine Unterschiede zu diesen Problemen der 90er:

  1. In aller Regel kamen einem damals nicht Christina Aguilera, Britney Spears oder gar Nicki Minaj in ihren freizügigsten Videooutfits im Freizeitpark entgegen.
    Ganz im Gegensatz zu Parkangestellten, oft sogar in antropomorphen Tierkostümen. Warum die so rumlaufen? Weil so etwas Kinder anspricht, natürlich. Schonmal von Mickey Maus gehört?

  2. Selbst wenn dir echte Prostituierte in Aufmachung im Freizeitpark entgegen gekommen wären, dann würden sie wahrscheinlich nicht besonders anziehend auf deine Kinder wirken.
    Meint: selbst die Kinder verstehen, dass es sich bei dieser Kostümierung um eine "Erwachsenensache" handelt, auch wenn sie vielleicht noch nicht ganz verstehen, warum eigentlich.

Ein Problem

Ich sehe somit Fursuitträger in Freizeitparks als ein Problem an. Es ist von den Kindern nicht zu erwarten, dass sie Parkbesucher in Fursuits von Parkpersonal in Maskottchenoutfits unterscheiden können; vielen Erwachsenen dürfte das ebenfalls schwierig fallen.

Das ist einerseits für die Parks schlecht, weil potenzielles Fehlverhalten von Gästen als Handlungen durch Angestellte angesehen werden könnten und andererseits empfinde ich persönlich es als Parkbesucher schlecht, denn wenn ich einen Furry sehe, sehe auch immer ein bisschen bisschen ihn hier:

Gimp im Zentai Suit [Lizenz][Quelle]

Und von ihm würde ich Kinder schon gerne noch ein Weilchen fernhalten- zumindest so lange, bis sie alt genug sind, um zu entscheiden zu können, ob sie darauf stehen.

Anm.: Dieser Vergleich bezieht sich auf die potenzielle Fetischfunktion von Fursuits. Unseren Gimp hier würde man ja aller Wahrscheinlichkeit auch nicht in den Freizeitpark lassen; auch wenn kein Zentimeter nackte Haut zu sehen ist.

Denkt denn NIEMAND an die KINDER?!

Und da bin ich also: Anfang 30 und wir gehen full circle. Noch zehn Jahre und ich fange am Stammtisch an, über den allgemeinen Werteverfall und die guten alten Zeiten zu lamentieren...

Aber mal im Ernst- auch wenn ich mich (wie wohl die meisten Menschen, die mich kennen) als eher progressiv, links und tolerant einschätzen würde, so muss ich in dieser Angelegenheit eine klare Linie ziehen. Ich sehe an dieser Stelle das Schutzbedürfnis von Kindern als höherwertiger an, als indivuelle Ausdrucksfreiheit durch freie Bekleidungswahl in der Öffentlichkeit, insbesondere an Orten, die sich primär an Kinder richten, wie Freizeitparks.

Ich vermute, dass das vielleicht sogar für manche Furries verständlich sein dürfte. Jede Gruppe von Menschen hat ihre Arschlöcher und Kriminellen. Und in Freizeitparks empfinde ich es als eine Sache des Respekts den Kindern gegenüber, als Erwachsener etwas Rücksicht zu nehmen.

"Would you like to know more?"

Ziel dieses Eintrags war es nicht, einen tiefen Einblick in die Furry-Community und ihre Geschichte zu geben; dazu kenne ich mich schlichtweg nicht gut genug aus. Sollte der geneigte Leser sich gern weitergehend über diese Internetsubkultur informieren wollen, so kann ich folgende zwei Videos sehr empfehlen:

  • Fred Knudsens sauber recherchierter Überblick über die Szene inklusive ihren Ursprüngen:
  • Kothisms Video, darüber warum er diese Community verlassen hat:
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